Der Kernbau von 1748

Holzbau in Ständer-Bohlen-Bauweise von 1748

(mit Grün markiert)

 

Der Ständerbau von 1748 hatte beachtliche Masse: Ein Schwellenkranz von rund 21 m Länge und 10 m Breite wurde mit sieben Querschwellen in sechs Achsen unterteilt; eine siebte, nicht mit dem Kernkranz verbundene Achse ergab sich auf der Westseite als offener Wagen- und Geräteschopf. In der Mittellängsachse stehen auf fünf Querschwellen gut 10 m hohe Firstständer, die eine Firstpfette von etwa 18 m Länge tragen.

 

Etwa 27 Rafenpaare waren an ihrem dickeren Ende durch eine Schlitz- und Zapfen-Konstruktion (Scherzapfen mit Zapfenschloss) miteinander verbunden und über die Firstpfette verlegt, im Bereich des Übergangs Hauptdach / Walm wahrscheinlich radial.

 

Sie bildeten das Dachgerüst der beiden Traufseiten. An den Endpunkten der Firstpfette gaben vier besonders starke Eckrafen Halt für die Rafenkonstruktion der Walme an den beiden Schmalseiten. Die Rafen der Walme wurden mit Holznägeln auf diese Eckrafen genagelt. Quer auf die Rafen wurden mit Holzdübeln breite Latten genagelt, an denen die Schäube aus Roggenstroh für die Dachhaut befestigt wurden. Dies geschah ursprünglich mit Ruten von Weiden und andern Gehölzen, später mit Eisendraht.

 

Ein Unterfirst, Katzenbaum genannt, sowie V-förmig angebrachte Windstreben halten die Firstständer in der Längsrichtung stabil. Je zwei Streben, die in die oberen Querrahmen überblattet und auf die Wandständer eingeblattet sind, dienen der Stabilität in der Querrichtung. Sie sind unterhalb des «Katzenbaums » untereinander in die Firstsäule eingeblattet. Teilweise ragten sie über die Wandständer hinaus und dienten zusätzlich noch als Zugbänder für Stützbüge, die eine Flugpfette trugen.

 

Das Dach hatte rundum eine starke, nicht überall gleiche Neigung. Am steilsten war der gegen die Wetterseite gerichtete Walm. Die Traufe reichte überall sehr weit hinunter. Unterbrochen wurde sie im Bereich des Eingangs zum Futtergang, der von zwei Ankerbalken flankiert wird, die südseitig etwa zwei Meter über die Ständerwand hinausragen.

Auch über dem Wohnteil dürfte die Traufe etwas weiter hochgezogen gewesen sein, um mehr Licht in die Wohnräume eindringen zu lassen.

 

Auf der Nordseite befand sich bereits eine Rampe, über die der Dreschboden über dem Futtergang befahren werden konnte, im Volksmund iifar (auch Einfahr, von einfahren) genannt. In diesem Bereich stand eine Torkonstruktion mit zwei Pfosten und gekerbtem Jochbalken etwa einen Meter vor die Ständerwand gerückt. Über diesem Einfahrtor musste die Traufe deutlich angehoben werden.

 

Die Wandausfachungen der Ständerkonstruktion wurden ganz unterschiedlich gebaut. Häufig kommen stehende Bohlenwände vor: Stehende Bohlen, die da und dort mit eher dünnen, nichttragenden, seitlich genuteten Zwischenständern abwechseln. Diese Wandfüllungen wurden in die Nuten im Rahmenwerk eingeschoben. 
 

Gleich verhält es sich mit den liegenden Bohlenwänden, die auch rundum eingenutet sind. Im Stallbereich würden solche Wände den Kräften des Viehs nicht lange standhalten, weshalb hier waagrecht liegende, kantig behauene Balken («Flecklinge »), die Seitenwände zu den Traufseiten hin bilden. Im Bereich der Befensterungen im Wohnteil bilden in die Wandständer waagrecht eingenutete Kanthölzer die Füllung im Brüstungsbereich.

 

Durch die Querteilung des Baukörpers ergibt sich der charakteristische Grundriss dieses Haustyps. Das weit herab reichende Dach ermöglicht keine Wohnräume im oberen Geschoss, weil zu wenig Licht eindringt.

 

Durch eine Mittellängswand werden die beiden Achsen im Wohnteil in die vier Hauptwohnräume geteilt. Aussen liegen zwei Kammern, häufig als Nebenstube oder Stubenkammer für den südöstlichen, Nebenküche oder Küchenkammer für den nordöstlichen Raum bezeichnet.

 

Daran liegen die Wohnstube im südlichen und die offene Rauchküche im nördlichen Bereich. Getrennt sind sie durch die Feuerwand, die im Erdgeschoss aus nicht brennbarem Material (Bruchstein, Backstein, Lehm) besteht, im Obergeschoss aber als Bohlenständerwand ausgebildet ist.

 

Die Küche war ursprünglich über zwei Geschosse offen. Mit

Lehm bestrichene Tonnengewölbe aus Rutengeflecht, huurd genannt, dienten als Rauchfang der offenen und der geschlossenen Feuerstellen. In die Stube hinein ragte von Anfang an ein Ofenkörper, der von der Küche aus befeuert wurde und der neben dem Heizen auch zum Brotbacken und Dörren von Früchten diente. Die östliche Kachelwand beheizt die angrenzende Kammer.

 

Spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde auch eine Sitzkunst beheizt, die vom Holzherd in der Küche aus erwärmt wurde. Ursprünglich dürfte auf ebenerdigen, offenen Feuerstellen gekocht worden sein, bevor aufgemauerte, später aus Eisen gebaute Holzsparherde das Zubereiten der Mahlzeiten erleichterten. Entsprechend vorsichtig musste mit dem offenen Feuer umgegangen werden. Heute sind in der Küche fünf Feuerungs-einrichtungen vorhanden.

 

Nach Aufgabe der offenen Rauchküche konnte kein Fleisch mehr in den Rauch gehängt werden. Deshalb wurde eine geschlossene Rauchkammer eingebaut. Durch ein Blechrohr ist sie mit dem Schornstein verbunden.

Daneben steht der Holzherd, über dessen Brennkammer auf der Gussplatte gekocht werden kann, und der auch eine Backröhre besitzt. Der Rauch wird in die Kunst in der Stube geführt und entweicht danach in den Schornstein.

 

Der Kachelofen wird separat befeuert. In der Wand zur Kammer finden wir ein weiteres Feuerungsloch, durch das eine kleine Ofenbank in der Elternschlafkammer beheizt werden kann.
An der gleichen Wand steht eine gemauerte Schnapsbrenn-einrichtung, von der der Rauch ebenfalls durch ein Blechrohr in den Schornstein geführt wird.

 

Die Obergeschossdecke war auch über den Küchenbereich gezogen. Durch Spalten und Ritzen in diesem füürbüüni, da und dort auch garbebüüni genannten Boden entwich der Rauch in den Dachraum. Auf diesem Boden wurden die Getreidegarben nach der Ernte gelagert. Durch den Rauch wurde das Getreide noch völlig getrocknet und konserviert. Über einen schmalen Steg konnten die Garben über die erste heubrüügi getragen und auf den Dreschboden im iifar geworfen werden.

 

Die Wohnstube diente als Vielzweckraum. Es war der einzige komfortabel geheizte Raum im Haus. Hier wurde am Tisch im Herrgottswinkel gegessen, hier wurde am Ofen gewärmt und Wäsche getrocknet, und hier wurde auch geschlafen, wenn die übrigen beiden Kammern zu wenig Raum boten. Häufig waren diese Kammern den Grosseltern, ledigen Vettern und Basen sowie Bediensteten vorbehalten.

 

Die dritte Achse des Wohnteils, der lange Hausgang oder

huusärmel, liegt in der Achse des östlichen Stalls und wiederholt sich im Obergeschoss. Vom Gang werden im Erdgeschoss die Stube, die Küche und der östliche Stall durch Türen erschlossen.

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